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Offenes Foramen ovale

Offenes Foramen ovale

Beitragvon ChrisD » 4. Mär 2008, 10:09

Offenes Foramen ovale
Foramen ovale (lat. für „ovales Loch“)


Das Foramen ovale ist eine Verbindung zwischen den Herzvorhöfen, die im fetalen (vorgeburtlichen) Kreislauf den Blutübertritt vom Lungenkreislauf zum Körperkreislauf zulässt.

Da die Lunge noch nicht belüftet ist und somit auch noch nicht relevant durchblutet wird, fließt das Blut über das Foramen ovale in den linken Vorhof und durch den Ductus arteriosus (oder auch Ductus artriosus Botalli) aus der Lungenschlagader in die Aorta. Hierbei handelt es sich sozusagen um eine Art Kurzschluss, einen sog. Shunt, um den Blutdruck niedrig zu halten.

Mit der Geburt, zugleich mit den ersten Atemzügen, entfaltet sich die Lunge. Dadurch nimmt der Druck im rechten Vorhof ab, so daß er niedriger liegt, als der Druck im linken Vorhof. Das Blut im rechten Vorhof strömt jetzt über die rechte Herzkammer in die Lunge. Nach Passage der Lungenstrombahn, wo jetzt der Gasaustausch stattfindet, gelangt das Blut über Lungenvenen, linken Vorhof und linker Herzkammer in den großen Kreislauf. Diese Veränderungen der Hämodynamik führen zu einem funktionellen Verschluß des Foramen ovale, da jetzt das Septum primum von der linken Seite gegen das Septum secundum gedrückt wird. Im Verlauf von einigen Wochen bis Monaten kommt es zu einer Verklebung der beiden Septumanteile und dadurch zum anatomischen Verschluß des Vorhofseptums.

Erfolgt der Verschluss nicht, spricht man von einem anhaltenden oder andauernden persistierenden Foramen ovale, PFO. Bis zu 25 % aller Menschen und natürlich auch die Taucher, leben mit einem offenem Foramen ovale in der Vorhofscheidewand.
(Quelle und von mir ergänzt: Wikipedia und Uniklinik Köln)

Schließt sich das Foramen Ovale nicht, so stellt dies an sich noch kein Problem dar. Normalerweise ist der arterielle Druck im linken Vorhof größer als im Rechten und drückt den Lappen gegen die Herzwand.
Bedingt durch Anstrengung, Pressatmung, auch Niesen, Valsava Manöver etc., kann es zu einem Druckanstieg im rechten Vorhof kommen, der den Druck im linken Vorhof übersteigt. Das Septum primum öffnet sich nun und venöses Blut tritt unmittelbar wieder in den arteriellen Kreislauf über. Man spricht hier auch von einem Shunt.
Auch dies stellt im normalen Leben normalerweise kein Problem dar, hat aber für uns Taucher u.U. weit reichende Folgen!

Beim Tauchen sättigt sich unser Gewebe nach dem Henry-Gesetz (nach dem englischen Chemiker William Henry), vor allem im Blut entsprechend des Umgebungsdruckes mit Stickstoff auf.
D.h., Gas, insbesondere Stickstoff wird im Blut gelöst. Je höher der Druck, desto mehr Gas kann gelöst werden. Fällt der Druck nun ab (Auftauchen), werden die Gase, insbedondere Stickstoff wieder frei gesetzt.
Der aus den Geweben stammende Stickstoff bzw. ein anderes Inertgas (im Tech-Bereich) wird im venösen Blut gelöst und zur Lunge transportiert, wo er weitgehend abgeatmet wird.
Allerdings muss die in einer bestimmten Zeit transportierte Gasmenge unterhalb eines kritischen Schwellenwertes bleiben. Zwar bemühen sich die Dekompressionsmodelle bei Tabellen und Computern diesen Schwellenwert zu errechnen, letztendlich ist aber eine Mikroblasenentwicklung nicht zu verhindern, eine mögliche Blasenentwickling nicht auszuschließen. Begünstigt wird eine Blasenbildung durch Tauchfehler, vorangegangener DCS, Dehydrierung, Stress, schnelle Aufstiege, Wiederholungstauchgänge, individuelle Eigenarten usw.

Die Größe von Mikroblasen liegt im Bereich Millionstel m, werden über die Lunge abgeatmet und sind daher eher unbedenklich. Sie haben allerdings einen negativen Einfluss auf die Inertgaselimination in der Lunge (verminderte Abgabe). Sie blockieren teilweise feinste Blutgefäße in der Lunge und behindern daher den Gasaustausch in der Lunge.

Hat der Taucher nun ein offenes Foramen ovale, tritt bei ungünstigen Umständen (s.o.) dieses mit Mikroblasen angereicherte Blut wieder in den arteriellen Kreislauf über, sprich, durchläuft den Körper unter Umgehung der Lunge.

Dies hat zur Folge:
- dass die Inertgaselimination zusätzlich blockiert wird
- der Schwellenwert für eine weitere Inertgasaufnahme verringert wird
- (Mikro-) Blasen sich bei weiterem Auftauchen, nach Boyle-Marriot vergrößern und zu lokalen Verschlüssen führen können.

Nicht alle, aber zumindest ein großer Teil sog. unerklärlicher Dekompressionserkrankungen können auf ein offenes Foramen ovale zurück zu führen sein.

Beispiele aus dem Bekanntenkreis, alle mit offenen Foramen ovale:
- Schwere DCS nach Wiederholungstauchgang auf 12m, 1. Tg auch 12m, Tauchzeit jeweils um eine Stunde
- Schwere DCS bei Druckkammerfahrt auf 50m, Tauchprofil nach Luft, aus Sicherheitsgründen wurde ab 15m rein O2 verabreicht. DCS erfolgte bereits bei 12m unter O2 mit Lähmungserscheinungen und Bewußtlosigkeit. Ein Jahr Rollstuhl und Jahre danach immer noch Gehbehindert...

Wenngleich die Auswirkungen eines offenes Foramen ovale erst bei Tauchfehlern oder ungünstigen Voraussetzungen auftreten können, gehört für mich eine Untersuchung auf ein evtl. offenes Foramen ovale für einen Taucher zu einem unbedingten Muss und gehört eigentlich zu jeder erstmaligen Tauchtauglichkeitsuntersuchung dazu!!!
Ein offenes Foramen ovale schließt das Tauchen ja nicht aus, man kann sich aber darauf einstellen und sein Tauchverhalten entsprechend anpassen, insbesondere dann, wenn es zu einem Shunt (s.o) gekommen sein kann. Insbesondere Tauchanfänger praktizieren das schädliche Valsava Manöver .

Aber selbst ohne offenes Foramen ovale können Risiken durch Shunts bestehen:
Shunts (Kurzschlüsse) kommen im menschlichen Körper mannigfaltig vor. Tritt venöses Blut vermehrt in den arteriellen Kreislauf über, muss es sich nicht unbedingt um ein offenes Foramen ovale handeln, sondern es kann sich auch um individuelle Eigenarten handeln. Dies ist ein Grund mehr, eine Untersuchung durchführen zu lassen.
Es gibt unterschiedliche Untersuchungsmethoden, die für mich beste und zugleich kostengünstigste ist die:
Es wird ein Kontrastmittel gespritzt, durch Pressatmung wird ein Übergang venöses Blutes in den arteriellen Kreislauf provoziert und mittels eines Ultraschallgerätes wird das arterielle Blut nach dem Kontrastmittel abgetastet.
Der Vorteil dieser Methode: Hier werden auch Shunts festgestellt, selbst wenn kein offenes Foramen oval besteht!

(Diese Untersuchung ist ein Muss für Taucher) :o

ChrisD
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